Bitfinex-Hack prügelt Bitcoinkurs nach unten

Das Timing hätte nicht viel schlechter sein können. Der Bitcoin-Kurs hatte bereits damit zu kämpfen, dass die Marke von 700 Dollar nicht nachhaltig überwunden werden konnte nach dem Halving. Die Aufwärtsdynamik hatte deutlich an Schwung verloren und so bröckelte der Kurs Richtung 600 Dollar in den letzten Tagen und wirkte unter technischen Gesichtspunkten stark angeschlagen. Die gestrige Meldung, dass Bitfinex gehackt worden war, hat den Kurs seit gestern Abend jetzt noch stärker unter Druck gebracht (aktuell 550 USD). Bitfinex ist ein grosser Player, vor allem wenn es bei Transaktionen USD zu Bitcoin geht. Um die Dimension des Ganzen aufzuzeigen: Der Mt. Gox Hack, der bisherige Supergau aller Bitcoin-Börsen-Hacks, brachte den Verlust von rund 850‘000 Bitcoin. Jetzt bei Bitfinex sind es immerhin mindestens 119‘756 im Gegenwert von aktuell 65 Millionen Dollar. Das ist schon eine ordentliche Hausnummer und wird nicht innerhalb eines Tages vergessen werden.

Die Folgen: Die meisten Massenmedien werden diesen Fall wieder genüsslich auswälzen und darauf hinweisen wie unsicher und volatil der Bitcoin-Kurs sei. Vor allem auch, da die Ethereum-Misere mit dem DAO-Hack und dem anschliessenden Split in ETC und ETH derzeit auch dort hochgespielt worden ist. Kryptos werden wieder ein Stück weit stärker in Richtung „Wild West“ diskreditiert. Ein weiterer Nackenschlag. Auch Altcoins werden davon kaum profitieren. Schliesslich macht dieser Hack bewusst, an welch seidenem Faden die Marktstabilität hängt. Stellen wir uns nur einmal vor was für Folgen ein Hack von Poloniex für Altcoins hätte. Das würde den Markt um mindestens ein Jahr zurückwerfen und zu gigantischen Kursverlusten führen.

Was lernen wir daraus: Grössere Summen an Bitcoin und Altcoins nicht bei Börsen deponieren. Ich empfehle dafür – wo verfügar – Brain-Wallets (zum Beispiel Nxt oder IOTA), Paper-Wallets oder spezielle Hardware wie den Trezor. Es empfiehlt sich auch insgesamt im Verhältnis zum Gesamtvermögen nicht zuviel in Kryptowährungen zu investieren. Es ist eine spekulative Nische, welche sich momentan unter Sicherheitsaspekten noch bei weitem nicht mit Gold oder Silber messen kann. Zudem wird es in den nächsten Monaten wieder deutlich schwerer werden an den Kryptomärkten Kursgewinne zu realisieren (was im ersten Quartal ein Kinderspiel darstellte).