IOTA: Fundraising erfolgreich abgeschlossen

Am Montag um 23:59 Uhr endete das Fundraising für IOTA. 27 Tage lang wurden Bitcoin gesammelt, in den ersten neun Tagen mit einem „Early-Bird-Bonus“ von +15%. Insgesamt kamen 1‘191 Bitcoin zusammen aufgeteilt in 931 direkten Bitcoin-Investments und 41‘297 JINN-Anteilen*. Die Verteilung ist sehr ausgewogen, auf 299 Investoren mit einem durchschnittlichen Investment von 3,1 Bitcoin. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Summe zwar ein Erfolg darstellt (immerhin mehr als eine halbe Million Dollar) es hätte aber auch noch deutlich mehr sein können. Der Betrag ist auf jeden Fall hoch genug um IOTA finanziell fertig zu stellen und dem JINN-Projekt einige komfortable Monate zu geben. JINN wird im laufenden Entwicklungsprozess zusätzlich noch den Einstieg eines Business-Angels benötigen, nachdem die Prototypen, dank dem generierten Kapital, durchfinanziert worden sind. Aber diese Prototypen-Entwicklung ist nun sichergestellt und darauf kam es dem Team auch an.

Die Summe ist aber auch niedrig genug um weitere Kurssteigerungen an den Krypto-Börsen zu erlauben. Eine Marktkapitalisierung von sagen wir, mindestens 10% von Litecoin, sollte doch für eine völlig neue Kryptowährung (erste Kryptowährung ohne Blockchain, Echtzeitzahlungen, äußerst geringe Hardwareanforderungen, Internet-of-Things!) mittelfristig problemlos erzielbar sein? Wir wären dann bei etwas über 15 Millionen Dollar oder einem Gewinn von 3000% für alle Startinvestoren. Durchaus im Bereich des Möglichen, allerdings müssen dazu auch die nächsten Schritte glatt über die Bühne gehen.

Der Start war auf jeden Fall vielversprechend. Seit gestern ist die Zuteilungsseite für IOTA-Investoren online. Der Prozess ist durchdacht, sicher und auch sehr anfängerfreundlich. Dazu musste man sich ein starkes Passwort ausdenken (mindestens 35 stellig) und über eine Eingabemaske eingeben. Dadurch wurde ein Code generiert. Über die Eingabe des Codes in eine weitere Eingabemaske auf der Seite, wurde dem Investor mitgeteilt wieviel Satoshi er von seiner Bitcoin-Adresse an das Bitcoin-Adresse des IOTA-Teams überweisen soll. Dieser Prozess stellte zusätzlich auch sicher, dass der IOTA-Zeichner immer noch volle Verfügungsgewalt über seinen Bitcoin-Account hat. Das Passwort dient dann in Zukunft als Brainwallet zum direkten Zugriff auf seine erworbenen IOTAs im Client – wie bei Nxt.

Wie geht es weiter? Come-from-Beyond war mit dem selbst entworfenen Client für IOTA nicht zufrieden. Er fand ihn schlicht zu hässlich. Die Benutzeroberfläche des Client soll nun von externer Seite bis Anfang Januar fertig gestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt wird auch der Source-Code veröffentlicht. Bei Kryptowährungen ist Open Source ja ein wichtiges Kriterium. Der Code wird von Sergio Demian Lerner, dem wohl bekanntesten „Krypto-Auditor“ weltweit, überprüft werden. Seine hoffentlich positive Beurteilung, wird dem IOTA-Team dabei helfen, praktische Nutzer zu finden, welche IOTA als Baustein im Internet der Dinge verwenden können. Evtl. erfolgt bis Anfang Januar noch ein Testlauf des Systems über ein separates Testnet. David und weitere engagierte IOTA-Investoren, werden in der Zwischenzeit nicht untätig sein und versuchen IOTA bei „Internet der Dinge-Projekten“ in den Fokus zu bringen. Besonders einfach dürfte es sein IOT-Projekte in Verbindung mit Bitcoin „zu kapern“, da IOTA dem Bitcoin für die Verwendung als Baustein im Internet der Dinge deutlich überlegen ist (leichter, schneller, geringere Hardware-Anforderungen, benötigt keine Gebühren). Also sämtliche Projekte in Verbindung mit hoch gehypten „21 Bitcoin Computer“ sind ein natürliches Ziel um durch IOTA ersetzt zu werden (dieses zum Beispiel).

Fazit: Wie erwartet ist bis jetzt alles nach Plan gelaufen. Für das IOTA-Team ist es nun entscheidend in den nächsten Monaten auch praktische Nutzer zu finden. Bislang gingen Altcoin-Projekte immer dann in die Knie, wenn es keine praktische Verwendung für sie gab und sie deshalb nur noch als Spekulationsprojekt an den Krypto-Börsen gehandelt wurden. Schafft es IOTA diesem Schicksal zu entgehen, wäre ein echter Paradigmenwechsel möglich. Wir würden endgültig von der Doktrin abkommen, dass eine Kryptowährung wirklich alles erfüllen muss quasi als „Eierlegende Wollmilchsau“. Wir sehen schon jetzt Bitcoin an der Belastungsgrenze. Alles können zu müssen, heißt auch schwer und fett zu werden. Nehmen wir zum Vergleich schlicht Fahrzeuge: Niemand käme auf die Idee ein Formel 1 Fahrzeug gleichzeitig noch als Traktorersatz bzw. als Familienkutsche für mehrere Personen zu verwenden. Jede spezifische Anwendungsform verlangt andere Fahrzeugarten. Ähnliches stelle ich mir auch für die Kryptowährungen in Zukunft vor. Bitcoin als „Krypto-Gold“ sowie Zahlungsmittel für größere Investitionen. Diese Rolle soll er behaupten und das kann er auch leisten. Für spezifische Anwendungen aber maßgeschneiderte Lösungen, wie IOTA für das Internet der Dinge. Und hier liegt auch tatsächlich ein Verwendungszweck und Mehrwert für Altcoins. Das ist in meinen Augen der richtige Ansatz und wenn sich IOTA hier durchsetzen kann, wäre es eine bahnbrechende Entwicklung für ein künftiges Nebeneinander verschiedener Kryptowährungen, je nach Einsatzzweck. Der Ansatz durch eine Altcoin einen zweiten, besseren Bitcoin zu schaffen, wie es Nxt immer vor hatte, ist aktuell nicht zielführend und zum Scheitern verurteilt. Aber für spezifische Anwendungszwecke maßgeschneiderte Altcoins zu entwickeln, welche genau für diesen Zweck optimiert worden sind, das wird den Altcoinmarkt im Jahr 2016 schwer bewegen. Und IOTA hat gute Chancen darauf hier als „Eisbrecher“ zu fungieren.

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und schöne Festtage!

*JINN ist die Hardware-Firma des IOTA-Teams. Es soll dabei ein völlig neuer Hardware-Prozessor entwickelt werden der anstatt binär (2 Werte) auf einer dreiwertigen Logik basiert (Ternärer Computer). Diese Prozessoren wären effizienter als die bisherigen binären Prozessoren und ein bedeutender Meilenstein im Internet der Dinge – und darüber hinaus. Der „Börsengang“ von JINN erfolgte im Oktober 2014 über die Nxt Asset Exchange. Das Hardware-Projekt ist freilich mit bedeutenden Risiken behaftet und stellt sich gegen Großkonzerne wie Apple oder Intel. IOTA soll die ergänzende Software zu den JINN-Prozessoren darstellen ist aber nicht an JINN gebunden und kann auf Grund der geringen Hardware-Anforderungen auch auf primitiven Geräten funktionieren. JINN-Investoren wurde gestattet ihre JINN-Anteile in IOTA umzutauschen, woraufhin 41.2% der frei verfügbaren JINN-Anteile gegen IOTA getauscht wurden. Dies hatte auch den Hintergrund, da viele JINN-Investoren die zeitliche Dimension des Hardwareprojekts unterschätzt hatten und schnelle Resultate erwarteten, die freilich gänzlich unrealistisch waren. Das JINN-Team konnte sich so besonders ungeduldiger und unzufriedener Investoren über den Ausgang zu IOTA bequem entledigen und kann nun in relativer Ruhe weiter arbeiten.

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Disclaimer – Hinweis auf Interessenskonflikt: Der Autor ist selbst in IOTA und JINN investiert.

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