IOTA: Interview mit CEO David Sønstebø

IOTA, die Kryptowährung für das Internet der Dinge, zieht momentan sehr große Aufmerksamkeit auf sich. Ich habe ja bereits mehrfach über dieses sehr interessante Projekt berichtet und auch selbst investiert während der aktuellen Zeichnungsphase (bis Montag, den 21. Dezember ist eine Investition möglich). Es freut mich deshalb außerordentlich, dass mir IOTA-Gründer David Sønstebø für einige Fragen zur Verfügung stand:

Hi David! Einige Worte über Dich und Deinen Werdegang, seit wann engagierst Du Dich in der Kryptoszene? War es mit Nxt oder schon vorher?

David: Ich würde mich als jemanden beschreiben, der das Universum als endlosen Ozean von Potential sieht. Schlussendlich sind nahezu alle Probleme der Menschheit vor allem technische Probleme. Ich kam mit Kryptos zuerst in Kontakt 2012 mit der lesswrong/overcomingbias/futurology Community. Ich hatte bereits 2010 davon gehört, aber mich unglücklicherweise nicht in der Tiefe damit auseinandergesetzt, sonst wäre ich schon viel früher eingestiegen. Obwohl ich dann später mit Kryptos gehandelt habe, hielt ich das ausschließliche Traden für extrem langweilig, so dass ich im Jahr 2013 beschlossen habe mich in der Technologie auseinanderzusetzen und herauszufinden, wie sich dies weltweit auswirken könnte. Ich engagierte mich dann bei Nxt.

Hast Du noch Zeit für eine „normale“ Arbeit oder konzentrierst Du Dich 100% auf das große Projekt JINN/IOTA?

David: JINN/IOTA ist mein Vollzeitjob, aber für mich ist das nicht nur ein Job, für mich ist es meine Passion. Als Hobby beschäftige ich mich zudem noch mit anderen Projekten wie zum Beispiel Distributed Identity und dergleichen (sein Blog hierzu: www.composui.com)

Dein Geschäftspartner ist der legendäre Programmierer Come-from-Beyond, der in den ersten stürmischen Monaten Nxt rettete. Wie bist Du mit ihm in Kontakt gekommen um das JINN Projekt 2014 zu starten?

David: Ich und Come-from-Beyond sind seit Ende 2013 in Kontakt, kurz nachdem Nxt startete. Damals waren wir bei ganz vielen Dingen überhaupt nicht einer Meinung, wir hatten sehr viele Debatten, aber es hat immer viel Spass gemacht. Im Frühjahr 2014 sprachen wir über ähnliche Interessen und Ziele und beschlossen ein Team zu bilden. Ich denke wir beide stellten voneinander ähnliche Ambitionen fest und schätzen zudem aneinander, dass wir uns durch unsere Unterschiede sehr gut ergänzen. Er hat eine enorme Fülle von technologischen Kenntnissen und Fähigkeiten, während mein Talent die strategische Vision ist, um dann herauszufinden, wie diese Energie und Brillanz unserer gemeinsamen Vision dann in Produkte und Anwendungen im realen Leben umgesetzt werden können.

Die Erstzeichnungsfrist mit 15% Bonus für IOTA ist seit Donnerstag beendet und zusammen mit dem Umtausch von JINN-Anteilen konntet ihr nahezu 1‘000 Bitcoin einsammeln. Bist Du zufrieden mit diesem Resultat? Ist es genug um das Internet der Dinge-System entwickeln und starten zu können?

David: Ich bin sehr glücklich mit dem Vorverkauf bis jetzt und es zeigt deutlich, dass hier Interesse und Nachfrage an dieser Art von Technologie bestehen. Wir sind mit Sicherheit dazu in der Lage, die IOTA-Software mit diesem Budget zu vollenden und können zudem noch signifikante Fortschritte bei der Hardware-Abteilung machen. Wenn es um das Entwicklungs-Budget für die Hardware geht, ist es sehr schwierig, da hier leicht teure Extrakosten anfallen können, womit man bei einer Software in dieser Weise nur selten konfrontiert wird.

Wird der Klient für IOTA wie angekündigt am 22. Dezember einsatzbereit sein oder wird es hier eine zeitliche Verzögerung geben? Wird IOTA dann bereits auf Smartphones laufen (IOS/Android)?

David: Bis jetzt sieht es gut aus und ja, es wird auf Smartphones funktionieren, selbst auf winzigen Geräten, die nur über Chrome verfügen. IOTA setzt alles auf Leichtgewichtigkeit.

Kannst Du ein schönes Beispiel nennen, wie JINN in Kombination mit IOTA das Leben eines Durchschnittsmenschen positiv beeinflussen könnte?

David: Ein bestimmtes Beispiel zu nennen ist relativ schwierig, da JINN/IOTA lediglich zwei Teile des grossen Ganzen (dem Internet der Dinge) darstellen. Ich denke die beste Möglichkeit, um die möglichen Auswirkungen von JINN und IOTA darzustellen, ist, dass sie eine nahtlose Internet der Dinge-Welt aktivieren und damit Infrastrukturprobleme beheben können, die bisher ungelöst sind. Also der beste Weg um IOTA und JINN zu beschreiben, ist sie als Bausteine des Internet der Dinge anzusehen.

Come-from-Beyond teilte mit, dass er seit Sommer an IOTA arbeiten würde. Das ist eine recht kurze Zeitspanne für ein komplett neues Konzept (Tangle anstatt Blockchain). Denkst Du diese Zeitspanne war wirklich ausreichend um eine arbeitsfähige und stabile Software zu entwickeln?

David: Yeah, ich glaube daran, da war ein grossartiges Team haben. Bei IOTA geht es darum sämtliche Über-Komplexität loszuwerden und so einen „reinen“ transkryptographischen Token zu schaffen. Also auch wenn es sich dabei eine völlig neue Technologie handelt, ist es weniger zeitaufwendig zu entwickeln als zum Beispiel eine intelligente Vertragsplattform oder eine Asset Exchange.

Du hast ein sehr kleines Team und Ihr arbeitet an einem komplett neuen Hard- und Softwaresystem. Gibt es Zeiten an denen Du aufgrund Eurer limitierten finanziellen und personellen Ressourcen an dem Erfolg Eures Abenteuers zweifelst?

David: Während das Software-Team für IOTA sehr klein ist, arbeiten am Hardware-Projekt unter anderem auch Elektroingenieure und Professoren. Es ist immer noch ein relativ kleines Team und mit den Mittel aus dem IOTA-Verkauf werden wir ein paar mehr Leute einstellen, um die Entwicklung weiter zu beschleunigen. Ich glaube aber nicht daran, dass wenn man mehr Leute einstellen sollte als eigentlich benötigt werden. Wenn man zu viele Leute hat, kann das exorbitant teuer und ineffizient werden.

Ich bin immer etwas paranoid und besorgt über potentielle Fallstricke, aber ich glaube, dass so jeder CEO so sein sollte. Wenn Du der Kapitän eines Schiffes bist das in bislang völlig unbekannte Gewässer segelt, muss man immer auf der Hut vor potentiellen Problemen sein und sein Bestes geben, um rund um die Uhr darauf vorbereitet zu sein. In einer etwas weiteren Perspektive jedoch bin ich sehr zuversichtlich über die Fähigkeiten meines Teams und unsere umfassende Vision, die uns motiviert, diesen schwierigen Weg zu nehmen anstatt nur auf Nummer sicher, auf eingetretenen Pfaden zu gehen. Wir haben uns vereint um die bestmögliche Technologie zu entwickeln. Dies ist unsere treibende Kraft, nicht das Geld.

Natürlich ist es eine Tatsache, dass wir uns hier in einer echten David vs. Goliath Situation befinden, wenn man nur die finanzielle Ausstattung betrachtet. Aber was man nicht einfach kaufen kann sind echtes Engagement und eine Vision. Diese Konstellation tritt für fast alle schlagkräftigen Start-Ups auf, die generell nicht gut ausgestattet sind finanziell. Wir hätten vom ersten Tag ab auch eine traditionelle Finanzierungsform wählen können, aber es hätte bedeutet, viel Einfluss an die Geldgeber zu verlieren. Das war aufgrund unserer Motivation ein absolutes No-Go. Irgendwann werden wir sicher eine zusätzliche Kapitalspritze benötigen, aber unser Ziel ist, bis dahin das Projekt noch viel weiter voran zu treiben, mit einem Team das unsere Vision teilt, anstatt einer gierigen Heuschrecke zu dienen, welche nur den bestmöglichen Return-on-Investment anstrebt.

Es war für die Community eine große Überraschung, als BCNext sich nach nahezu zwei Jahren Funkstille zurückmeldete, indem er mit seinem Bitcoin-Account bei IOTA investierte. Gab es hier weiteren Kontakt mit ihm oder war es für Dich ebenfalls eine Überraschung?

David: Ich kann es nicht wirklich sagen, da er anonym bleiben möchte. Ich persönlich interpretiere seinen Kauf als eine symbolische Geste.

Irgendwelche weitere Worte an die deutschsprachige Community?

David: Deutschland verfügt über eine langjährige gute Reputation (zumindest bis vor dem VW-Skandal), wenn es um die Qualität und Gründlichkeit der Produkte angeht. Zudem hat Deutschland eine der interessantesten Start-Up-Szenen der Welt und ich glaube, daraus wird eine Vielzahl von wichtiger Technologie für das Internet der Dinge herausspringen und ich hoffe, dass Qualität und Gründlichkeit ein Teil davon sein werden. Zusätzlich gehören eure Städte zu den effizientesten und technologisch fortschrittlichsten weltweit, so dass ich hoffe, dass dieser Trend auch im neuen Zeitalter des Internet der Dinge anhält und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit jedem Interessenten aus Deutschland, der IOTA implementieren möchte. Wir würden uns sehr über eine Kontaktaufnahme freuen.

Herzlichen Dank David – viel Erfolg mit JINN/IOTA!