IOTA – Kryptowährungsrevolution zum Internet of Things!

In meinem letzten Beitrag habe ich auf eine Neuentwicklung hingewiesen, welcher ich enorm grosses Potential zutraue, da sie praktische Nutzbarkeit mit völlig neuer Technologie verbindet. Ich lehne dabei auch nicht zu weit aus dem Fenster in dem ich behaupte, dass es sich dabei um die Erste Kryptowährung der dritten Generation handelt:  IOTA! Der Name erscheint etwas sperrig, es handelt sich dabei aber um eine Zusammensetzung der Begriffe: Internet-of-Things Token. IOTA setzt bei einem Problem an, welches aktuell sogar die Zukunft des Bitcoins gefährdet: Der Blockchain wird schwerer und schwerer. IOTA verzichtet auf einen klassischen Blockchain und ersetzt das Konzept durch einen sogenannten Tangle (Directed Acyclic Graph). Das sieht grafisch so aus und es existiert auch ein Whitepaper dazu. Die Idee für eine Kryptowährung ohne Blockchain wird zwar seit einiger Zeit in der Community diskutiert (siehe hier zum Beispiel DagCoin), aber freilich war bisher niemand dazu in der Lage, dies auch praktisch umzusetzen. IOTA wird der Reality Check dieser Idee sein.

IOTA ist als schnelles Leichtgewicht konzipiert und das Tangle-Konzept soll dazu führen, dass die Währung auch in der Zukunft schnell und schlank bleibt, da der Blockchain nicht mehr „mitgeschleppt“ werden muss. Zusätzlich soll der Tangle noch andere spezifische Vorteile mit sich bringen, wie ein Schutz vor Quantencomputern, die Möglichkeit schnell kleinste Zahlungen vorzunehmen, eine Dominanz großer Mining-Pools verhindern und zudem sehr geringe Hardwareanforderungen benötigen. Das soll IOTA dazu in die Lage versetzen Kommunikations- sowie Bezahlungsgrundlage des sogenannten Internet of Things zu werden. Das „Internet der Dinge“ gilt als die zweite digitale Revolution und das Marktpotential wird auf viele Billionen Dollar geschätzt. Aber das ist noch nicht alles, IOTA soll auch als Mittler zwischen den verschiedenen Kryptowährungs-Systemen (wie Etherium) fungieren, durch direkte Kommunikation/Supplementation mit deren Blockchain, wodurch sich deren Sicherheit sogar erhöhen würde. Das ist doch mal eine Vision. Und das ist was ich von einer Altcoin erwarte, praktische Antworten auf dynamische Entwicklungen. Dabei geht IOTA bewusst in eine andere Richtung als viele 2.0 Coins zuvor: Nxt, Quora, Nem etc, sind große Ökosysteme mit vielfältigsten Anwendungsmöglichkeiten. Das macht sie aber auch entsprechend „schwer“. IOTA wird keine Asset-Exchange, Marktplatz etc. beeinhalten es geht nur darum die Kernkompetenz möglichst schnell (Echtzeitzahlungen!) und möglichst leicht zu erfüllen. Das könnte generell ein Schlüssel sein, nachdem es sich aktuell in den Marktkapitalisierungen der 2.0 Währungen andeutet, dass dies doch nicht die ganz großen Durchbrüche waren, worauf der Markt bisher gewartet hat.

Der zweite Aspekt, der mich an IOTA überzeugt, ist das Team. Tatsächlich handelt es sich beim Chefentwickler um den legendären Come-from-Beyond. Der Weißrusse (Name: Sergey Ivancheglo) war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich Nxt nach dem Rückzug von BCNext  zu dem weiterentwickeln konnte, wo es heute steht (es gibt Stimmen, die halten ihn für BCNext…). Er spielte bereits vor mehreren Jahren damit eine eigene Kryptowährung zu entwickeln, und entwarf bereits mehrere Konzepte: 2012 Qubic oder im Jahr 2014 Lakshmi. Er genießt enorm hohes Vertrauen in der Community und hat, was ebenfalls sehr wichtig ist, die Zugkraft eine schlagkräftige und engagierte Bewegung für dieses neue Projekt aufzubauen (die Nxt-Community konnte sich kaum von ihm lösen). Typische Reaktionen auf die Ankündigung von ihm hier, hier, hier, hier oder hier.  Das Whitepaper wurde von Serguei Popov aka mthcl erstellt. Neben Come-from-Beyond Co-Head im Team ist Uniqueorn aka Triangle. Auch er agiert nicht anonym, sein Name ist David Sønstebø und er kommt aus Norwegen. Come-from-Beyond und Triangle arbeiten bereits seit über einem Jahr (zusammen mit Wesley) am Hardwareprojekt Jinn (Jinnlabs), bei dem es darum geht einen neuen Prozessor zu entwickeln der irgendwo zwischen Intel’s CPU and NVidia’s GPU liegt. Die Funktionsweise wird hier beschrieben und soll künftig auch im Internet of Things eine maßgebliche Rolle spielen. Das ist ein echtes Langzeitprojekt mit freilich sehr unsicheren Erfolgsaussichten (als kleines Team zwischen den Giganten wie Apple oder Intel…).  Der Jinn-Prozessor ist also die Hardware, während IOTA die Kommunikations- und Zahlungsrolle übernehmen soll (hier von Triangle erklärt). Anbei noch einige interessante Zitate von Triagle aus seinem sehr lesenswerten Interview mit dem Cointelegraph:

„IOTA ist ein dezentraler, sehr leichtgewichtiger und mikrotransaktionsfähiger Token, welcher optimiert ist für das Internet der Dinge.“

„Anstatt zu versuchen, ein Schweizer Taschenmesser mit mittelmäßigen Anwendungsfunktionen zu erstellen, fokussierten wir uns lieber darauf, die absolut beste Lösung für Mikrotransaktionen zu finden. Zusätzlich aktivieren wir die Möglichkeit, mit anderen Blockchains zu kommunizieren, um so ein zusammenhängendes Ökosystem zu schaffen, wo wirklich gute Lösungen zusammenarbeiten, anstatt fragmentierte Projekte, bei denen wir allenfalls am Monopol des Bitcoin kratzen würden. Im Wesentlichen das Beste aus beiden Welten. Wir sind bereits in Gesprächen mit den Communities von Ethereum, Bitshares, Nxt und Bitcoin um Überlegungen zu treffen, wie die verschiedenen Technologien zusammenarbeiten können.“

IOTA kann nicht gemint werden sondern wird wie bei Nxt vor gut zwei Jahren über ein ICO Verfahren verteilt. Dazu muss man Bitcoin an eine spezifische Adresse senden und zusätzlich eine Nachricht anhängen. Dies soll bis Weihnachten erfolgen, es stehen hier noch keine Details fest, außer, dass es wohl rund 1 Milliarde IOTA geben wird (wie bei Nxt). Diese Milliarde wird dann auf die Investoren je nach ihrem Anteil verteilt. Jinn-Investoren sollen ebenfalls die Chance erhalten ihre Jinn-Shares in IOTA umzuwandeln. Dies gilt aber leider nur für „Altinvestoren“, die vor dem 21. Oktober in Jinn investiert waren – ein Kauf von Jinn jetzt um über diesen Umweg IOTA zu erhalten ist also offiziell nicht mehr möglich. Ob in der Praxis dann diese Restriktion auch durchgesetzt wird, wird sich  zeigen. Schließlich heißt es in der Ankündigung auch: „…we wish to minimize the amount of holders for logistics reasons.“  Eine weitere Besonderheit ist, dass die Transaktionen komplett gebührenfrei sind, was Sinn macht, da es ohne Blöcke auch keinen Block-Reward geben kann.

IOTA ist neunstellig hinter dem Komma und damit noch kleinteiliger als der Bitcoin, dessen kleinste Einheit, der Satoshi, sich acht Stellen hinter dem Komma befindet. Vermutlich um bei IOTA wirklich Kleinstzahlungen möglich zu machen (kleiner als in Satoshi). Gesichert wird IOTA durch ein Brain-Wallet, daher die Coins gehen nicht auf den Klienten sondern verbleiben im Tangle und werden lediglich durch das Passwort abgerufen (ebenfalls wie bei Nxt). Ich oute mich als Fan dieser Lösung, da ich die Vewahrung im Tangle für weit sicherer halte als auf meinem Computer. Wie viele Bitcoin-Wallets sind durch Festplattencrashs oder andere Probleme unrettbar verschwunden? Die Coin wird wie Nxt in Java programmiert und das Team wird zum Start auch einen Klienten bereitstellen. Ein Java-Klient hat den Vorteil recht anfängerfreundlich zu sein, mir war es zum Beispiel möglich, selbst als blutigster Amateur, den Nxt-Klienten vor zwei Jahren auf einem sieben Jahre alten Laptop ohne Probleme zum Laufen zu bringen – was mir bei vielen Scrypt-Coins nicht gelang…

Trotz aller Euphorie darf man die Risiken nicht außer Acht lassen. Das Projekt IOTA steht und fällt momentan mit einem einzigen Mann, der zudem in Minsk lebt. Es ist nicht sicher, ob diese Coin überhaupt in der Praxis funktioniert, es ist ein völlig neues Konzept ohne Blockchain, IOTA wagt sich in bisher unbekanntes Terrain und deshalb ist das Risiko eines Scheiterns auch ungleich höher. Und nicht zu vergessen: Wenn das ICO ohne Cap stattfindet, daher, jeder darf soviel investieren wie er will, kann durchaus eine vier- oder gar fünfstellige Anzahl an Bitcoin zusammen kommen. Das begrenzt natürlich den möglichen „Zeichnungsgewinn“ stellt aber auch die Gefahr da, dass das IOTA-Team sich nur finanziell bedient und nicht liefert (auch wenn Come-from-Beyond wirklich in den letzten vier Jahren einen blendenden Eindruck hinterlassen hat und er der Letzte wäre, dem ich einen ICO-Scam zutrauen würde). Zudem leiden ICO-Coins immer unter der Nicht-Akzeptanz von Teilen der Community und Minern. Und natürlich muss IOTA auch den Praxistest im Internet of Things bestehen, denn sollte Jinn scheitern, sollten auch andere Anbieter Interesse an einer Implementierung von IOTA haben, sonst handelt es sich nur um eine weitere Altcoin, welche ihr Dasein ausschließlich als Spekulationsobjekt auf Krypto-Börsen fristet.

Fazit: Trotz dieser Risiken bleibt unter dem Strich für mich IOTA das bisher interessanteste Krypto-Projekt seit Nxt und die Chancen übersteigen die Risiken in meinen Augen bei weitem. Es könnte sich hier um eine echte Kryptowährungs-Revolution handeln! Selbst die 2.0 Währungen wie Nxt haben noch einen klassischen Blockchain, welcher bei IOTA nicht mehr existiert. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass es sich bei IOTA um die erste Kryptowährung der dritten Generation handelt! Sehr hilfreich ist auch, dass IOTA sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung der fragmentierten Kryptogemeinde sieht. IOTA als Kitt, welcher die unterschiedlichen Kryptosysteme vernetzt und sie so zu einem großen Ökosystem zusammen wachsen lässt. Selbst wenn die spätere Praxisumsetzung nicht gelingen sollte, ist ein Starthype wegen den oben genannten bahnbrechenden „Killerkriterien“ garantiert. Ich werde hier am Ball bleiben und weiter ausführlich über dieses Projekt berichten.

PS: Wer ungeduldig und risikobereit ist: Die „Mutterfirma“ Jinn wird an der Nxt-Asset Exchange gehandelt. Offiziell können Neuinvestoren von Jinn nicht mehr in IOTA umtauschen, gleichzeitig will das Team über den Umtausch aber auch möglichst viele Jinn-Investoren loswerden. Es besteht also zumindest die Chance, dass auch Neuinvestoren von Jinn ihre Anteile in IOTA umtauschen dürfen. Ich selbst habe mir deshalb einige Jinn-Shares gekauft, muss aber auf den bereits sehr stolzen Preis hinweisen von aktuell 300 Nxt – vor einem Jahr nur 85 Nxt. Jinn-Shares sind kein Schnäppchen (Marktkapitalisierung ein Drittel der Nxt Marktkapitalisierung!) und Hochrisikopapiere, bitte nicht vergessen. Risikoloser ist es sich lediglich Bitcoin-Reserven anzulegen um für das ICO gerüstet zu sein.